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Die Eremitenklause in der Nagelfluhwand


 

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Historie vor 1700 Errichtung der Klause (Eremitage) unter den Freiherren Lösch von Hilgertshausen, die ab 1661 die neuen Herren von Stein wurden.
   
Sonntag, 14. Oktober 2018  13:00-17:00 Uhr
Klausentag auf dem Schlossgelände; Führungen erfolgen durch den Verein der Burgfreunde e. V. entlang der Nagelfluhwand mit Besichtigung der Eremitage.kaufen replica uhren

 

Karge Behausung im Felsen

 

Ein Bett mit Pferdedecken, ein Tisch mit zwei Stühlen und ein Kanonenofen – die Einsiedlerklause in Stein an der Traun gibt ein karges Bild ab. Vom frühen 18. Jahrhundert bis in die 1930er Jahre lebten dort immer wieder Menschen, die sich bewusst für ein Leben in der Einsamkeit entscheiden hatten. Die Klause, die sich in die Steiner Felsenburg einschmiegt, ist nur einmal im Jahr, am Kirchweihsonntag, geöffnet. Sonst bleibt ihre Tür verschlossen.

 

Die Steiner Felsenburg ist ein besonderes historisches Kleinod. In ihr soll einst der Ritter Heinz vom Stein gehaust haben. Die Burganlage besteht aus drei Teilen: dem Hochschloss, das am Rande einer hohen Nagelfluhwand weithin sichtbar über dem Tal thront, dem Unteren Schloss am Fuß der Felsenwand und der dazwischen gelegenen Höhlenburg. Die Einsiedlerklause komplettiert das ganze Areal. Sie befindet sich ungefähr 100 Meter westlich der Felsenburg auf halber Höhe der Nagelfluhwand und füllt fünf Nischen aus. In der östlichsten Grotte steht heute wieder eine Kreuzigungsgruppe wie früher zu Zeiten des letzten Klausners. In der westlichsten Nische befindet sich die in drei Kammern aufgeteilte Behausung des Eremiten.

 

Über das Alter der Klause sind keine genauen Angaben bekannt, sie wurde aber bereits im 17. Jahrhundert erstmals erwähnt. Die Initiative für ihre Gründung könnte von den Besitzern von Schloss Stein ausgegangen sein.

Die Klausner der damaligen Zeit waren in der Regel Laien, die sich bewusst für ein Leben in Einsamkeit entschieden hatten und Gott dienen wollten. Ihren kargen Lebensunterhalt bestritten sie mit Almosen oder dem Verkauf von Rosenkränzen und ähnlichem. Der erste namentlich bekannte Klausner in Stein war Johann Jakob Mitscheler aus Stuttgart, der Anfang des 18. Jahrhunderts im Steiner Felsen wohnte. Zu seinen Aufgaben gehörte es, Messen in der Schlosskapelle mit seinem Gesang zu untermalen und zum Teil auch die Kinder des Ortes zum christlichen Glauben zu erziehen. Für diesen Unterricht durfte er Schulgeld erheben. Es folgten mehrere Klausner. Viele Jahre stand die Klause wohl auch leer und war unbewohnt.

 

Der letzte darin lebende Klausner war Hugo Alois Zink, der die Klause im Sommer 1931 bezog. Hugo Alois Zink, geboren in Simmerberg im Allgäu, kam 1916 zum Infanterie-Ersatzbataillon und wurde später in Reims verschüttet. Er erlitt einen Nervenschock und gelobte daraufhin, sich künftig dem Klausnerdienst zu widmen.

 

In Stein reparierte er Rosenkränze und Gebetbücher und verkaufte Postkarten, um seinen kargen Lebensunterhalt zu verdienen. Eine große mechanische Jahreskrippe mit wechselnden Motiven, die er in einer der Grotten im Felsen aufgestellt hatte, war sein ganzer Stolz und er kassierte Eintrittsgelder von den interessierten Besuchern. Verköstigt wurde der Klausner damals von den Familien in Stein, die ihn im wöchentlichen Wechsel mit Essen versorgten. Doch nicht jedermann war damit einverstanden, wie der Klausner seinen Lebensunterhalt verdiente. Das Amtsgericht Traunstein verurteilte ihn aufgrund einer aufgestellten Opferbüchse wegen »gewerbsmäßigen Bettelns« zu Haft und Arbeitshaus.

Nach dem Auszug des letzten Klausners verfiel die Klause zunehmend und wurde erst in den 1990er Jahren vom Verein der Freunde der Burg Stein wieder hergestellt, so wie sie aus Erzählungen von alten Steiner Bewohnern früher gewesen sein könnte.

 

Verfasser: Frau Pia Mix; aus dem Berchtesgadener Anzeiger vom 08.12.2012. www.boxuhren.de


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